Unileben

Die Vereinnahmung queerer Räume

Queere Räume sind in München am Schwinden. Die wenigen Orte, die geblieben sind, sind umso wichtiger für den Zusammenhalt der LGBTQIA+ Community geworden. Doch diese Räume werden nicht von allen respektiert.

Der Drag King Ben Downe aus Berlin nach einem Auftritt in einer queeren Bar in Berlin. Bild: Ben Downe

Ein Gastbeitrag von Alina Neuper, stellvertretende Vorsitzende des Queer-Referats der Studierendenvertretung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Immer mehr Menschen identifizieren sich als queer. Das Selbstbestimmungsgesetz für trans* Personen wird kommen und in vielen Städten in Deutschland finden auf offener Straße Pride Paraden statt. Warum ist es also wichtig, dass es noch explizit queere Räume gibt?

Ich möchte mit einer persönlichen Erfahrung starten. Als ich letztens mit meinen Freund*innen in einem queeren Club feiern war, ist mir ein Junggesellinnenabschied aufgefallen, die in einer riesigen Gruppe im Kreis getanzt haben und gefühlt den ganzen Club für sich eingenommen haben. Es waren die Art von Frauen, die schon immer mal eine Drag Show sehen wollten und sowieso einen schwulen besten Freund haben. Natürlich fürs Shoppen und Sekt trinken. Doch sobald diese Frauen dann von einer Frau angemacht werden, fallen sie aus allen Wolken. In ihren Gedanken existieren in queeren Räumen anscheinend nur schwule Männer, die ihren Stereotyp entsprechen und die sie objektifizieren können. Auch unangenehm kann es werden, wenn ein hetero Paar auf Erkundungstour geht, um für etwas Abwechslung in ihrem Liebesleben zu sorgen. Oft werden dabei bisexuelle oder pansexuelle Frauen auf ein Objekt der kurzen Begierde und Exotik reduziert, denn die meiste Zeit geht es nicht um bedeutungsvolle zwischenmenschliche Beziehungen, sondern um diese spezifische Erfahrung. Damit sind natürlich nicht alle hetero Personen gemeint, sondern die, die sich auf diese Weise gezielt respektlos verhalten. 

Für Party – gegen Diskriminierung

Das Ziel ist es doch eine Feieratmosphäre für Menschen zu schaffen, in der sich alle wohl fühlen. In der man ungeniert sein “queeres Selbst“ sein kann und keine Angst vor einer Musterung oder sogar negativen Reaktionen haben muss. Solange queere Räume von hetero cis Personen dazu genutzt werden, um sich einen Abend lang über diese “exotische“ Umgebung zu erfreuen, die über Jahrzehnte lang von marginalisierten Gruppen aufgebaut worden ist, kann das als queere Person schnell ermüdend werden. Queere Menschen sind nicht da, um eure Fantasie zu bedienen.

Besonders trans* Menschen haben zusätzlich zu der Diskriminierung im Alltag sogar in der queeren Community noch mit Anfeindungen und Diskriminierung zu kämpfen. Für diese ist es also umso wichtiger Räume zu haben, in denen man keine Normen der heteronormativen patriarchalen Gesellschaft reproduzieren muss. 

Ein gesamtgesellschaftliches Problem

Doch das Problem ist vielschichtiger und struktureller als man vielleicht erstmal meint. Oft gehen hetero cis Frauen nicht in diese Clubs, um diese Räume für queere Menschen bewusst unsicher zu machen, sondern, um selbst der Sexualisierung und Anmachversuchen von hetero cis Männern auszuweichen – ein safe haven also. Hier ist das Problem aber ein Gesamtgesellschaftliches, es gibt zu wenig Angebote, die den Ansprüchen verschiedener Gruppen nachkommen können. 

Solange es aber noch Diskriminierung gegen LGBTQIA+ Personen gibt, müssen queere Schutzräume bestehen bleiben. Sexualität ist immer eine persönliche Sache und nicht von außen identifizierbar. Deswegen sollten sowohl die Veranstalter*innen niemanden direkt ausschließen und die Besucher*innen selber darüber nachzudenken, ob ihr Verhalten gerade angebracht ist.

Unter #QueerOnCampus schreiben Studierende des Queer-Referat der Studierendenvertretung der LMU über LGBTQ+ und andere Themen, die queere Personen im Zusammenhang mit München und dem Studium betreffen. Für die Inhalte sind allein die jeweiligen Autor*innen verantwortlich. Alle Beiträge der Serie hier nachlesen.

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