Wissenschaft ist jung!

Links Tamara und rechts Jana: Die beiden Gründerinnen des Podcasts "Entropia". ©Tamara Ehm

Tamara und Jana haben es sich zur Aufgabe gemacht, Wissenschaft wieder salonfähig zu machen. Seit fast einem Jahr veröffentlichen sie den Podcast Entropia, in dem sie aktuelle Promotionsprojekte von Nachwuchswissenschaftler*innen verschiedenster Disziplinen vorstellen. Ein Gespräch über die Herausforderungen von Wissenschaftskommunikation in Krisenzeiten.

Links Tamara und rechts Jana: Die beiden Gründerinnen des Podcasts „Entropia“. Foto: Tamara Ehm

Das Gespräch führte Patryk Maciejewski.

Wann und wie habt ihr euch gegründet?

Tamara: Wir haben zusammen Physik-Abitur gemacht und Physik an der LMU studiert – ich Biophysik, Jana Astrophysik. Während dem Lockdown kamen wir auf die Idee einen Podcast zu machen, der sich mit verschiedenen Themen befasst: Wie sieht eine Promotion aus? Was macht die Einzelperson und wie kann das in ein größeres Ganzes eingeordnet werden?

Jana: Gerade auch während der Pandemie haben wir festgestellt, wir brauchen effektivere Wissenschaftskommunikation! Man sieht es in der Corona-Lage so massiv, dass es so viele Missverständnisse gibt. Ich habe auch das Gefühl, dass das Verständnis über wissenschaftliches Arbeiten, nicht so präsent ist. Da mehr Brücken zu schlagen, ist eines unserer Ziele.

Wie hofft ihr als Wissenschaftsvermittlerinnen eure Hörer*innen zu beeinflussen? Welche Ziele verfolgt ihr noch?

Jana: Wir versuchen auch vor Augen zu führen, dass das sehr viel junge Leute machen. Das sind nicht immer nur eingestaubte ältere Herren, die in ihren Kämmerlein sitzen. Es ist etwas, was auch du machen kannst, wenn es dich interessiert! Wissenschaft ist nicht irgendwas völlig Unnahbares, was nur richtig abgefahrene Brainiacs machen können.

Tamara: Gerade der Aspekt nahbar, dass es eine ganz normale Realität von jungen Leuten ist, das ist am allerwichtigsten. Wir haben uns auch für das moderne Format des Podcasts entschieden, weil Wissenschaft jung ist. Viele Menschen sehen es leider durch 10000 Glastüren und wollen es gar nicht verstehen.

Während des Lockdowns befanden wir uns in einer paradoxen Situation: Es wurde mehr über Wissenschaft gesprochen wurde, zeitgleich kursieren aber viele Fehlinformationen.

Jana: Das ist ja genau die Problematik! Es ist absolut nachvollziehbar, woher diese Fehlinformationen kommen. Es ist eben nicht so einfach herauszufinden: Was ist denn jetzt eine gute Studie? Da streitet man sich selbst innerhalb der Wissenschaft drum. Das meinen wir auch mit „effektiver Wissenschaftskommunikation“. Man muss den Menschen erklären: Wie funktioniert denn Wissenschaft eigentlich? Wie kommen solche Ergebnisse zustande? Man muss sich das auch mit gesundem Menschenverstand anschauen und das kostet Zeit.

Tamara: Uns ist auch sehr wichtig zu zeigen, dass Wissenschaft ein Prozess ist, es gibt keine ground truth. Bis man etwas wirklich zu hundert Prozent bestätigen kann, dauert es oftmals sehr lang. Was kommuniziert wird, ist immer der aktuelle Stand der Wissenschaft. Und der kann sich ändern. Deswegen haben wir bei Entropia auch Promovierende, die im Prozess einer wissenschaftlichen Erkenntnis sind. Auch sie berichten ganz oft: Das weiß ich jetzt nicht, aber das will ich noch herausfinden.

Wie würdet ihr den wissenschaftlichen Diskurs vor der Pandemie einschätzen? Kam er schon vor der Pandemie zu kurz?

Jana: Ja viel zu kurz! Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation ist in der Regel etwas, was Wissenschaftler*innen nicht sehr gerne machen. Die eigene Forschung so erklären, dass es ein Laie verstehen kann, ist nicht sonderlich beliebt, das sind so ein bisschen die Klischees. Man muss einfach sagen: In der Wissenschaft herrschen ausgesprochen prekäre Verhältnisse. Die Leute schwingen sich von befristetem Arbeitsvertrag zum nächsten, die Arbeitszeiten sind enorm, die Zahlung ist oftmals schlecht. Da bleibt einfach wenig Kapazität für effektive Kommunikation. Das rächt sich dann später, wenn mal so ein großes Thema aufkommt wie Virologie. Es gibt eben Themen, bei denen man sich auf die Wissenschaft verlassen muss.

Tamara: Die Corona-Krise ist nicht das einzige Gebiet, in dem Wissenschaftskommunikation von Bedeutung ist. Ich würde sagen, auch sehr wichtig ist sie bei der Klimakrise. Da hat das Ganze etwas besser funktioniert, weil die For-Future-Bewegungen zum einen Druck auf die Politik gemacht haben und diese Kommunikation zum anderen selbst geleistet haben. Ich bin auch der Meinung, dass da zu wenig Geld reingesteckt wird. Den Podcast machen wir auch unentgeltlich in unserer Freizeit, weil wir denken, dass es richtig ist. Hier muss mehr gefördert werden – finanziell und politisch. Das ist glaube ich gerade die Herausforderung unserer Zeit: Die wissenschaftlichen Ergebnisse auf ein Level herunterzubrechen, das die Leute verstehen und auch nachvollziehen können.

Wie sieht die Zukunft von „Entropia“ aus?

Tamara: Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir weiter mit vielen coolen Leuten sprechen. Es ist nicht nur ein Dienst von uns an die Welt, sondern es ist auch eine riesige Bereicherung für uns! Ich lerne so viel in jeder Folge! Auf unserem Instagram haben wir schon einige Wissenschafts-Reels und da will auf jeden Fall noch mehr machen Ich glaube, das ist ein tolles Tool, um Inhalte auf Social Media zu vermitteln. Damit treffen die Menschen zufällig in sozialen Netzwerken auf Wissenschaft und können so Interesse daran finden.

Jana: Was ich auch hoffe ist, dass wir unsere Themengebiete ausweiten können. Wissenschaft ist eben nicht nur MINT, sondern zum Beispiel Sozialwissenschaften. Wir haben auch darüber gesprochen, dass wir das noch weiter öffnen. Einer unserer langfristigen Pläne ist es, die Vielfalt abzubilden und zu zeigen, dass all die verschiedenen Disziplinen ineinandergreifen.

Hier geht’s zur neuesten Entropia-Episode und zur Instagram-Seite des Podcast.