SPIELART-Theaterfestival –  Von Luftschlössern und Regenbögen

Boyzie Cekwana (Choreografie, Regie & Bühnenbild) «The Last King of Kakfontein» (SÜDAFRIKA)

Übersetzt bedeutet „Chasing Rainbows“ so viel wie „Träumen hinterherjagen“, „nach den Sternen greifen“ oder „Luftschlösser bauen“. Beim diesjährigen Theaterfestival SPIELART bildete die englische Redewendung einen von zwei Programmschwerpunkten: Künstler aus Südafrika zeigten unter diesem Slogan ihre Inszenierungen.   

 

Boyzie Cekwana (Choreografie, Regie & Bühnenbild): „The Last King of Kakfontein“ (SÜDAFRIKA)

 

Von Franziska Koschei

So war etwa Boyzie Cekwana mit „The Last King of Kakfontein“ geladen. In seiner Performance gab der in den Johannesburger Townships geborene Künstler Einblicke in seine Kindheit. Er berichtete vom Spielen auf den Straßen Sowetos. Dort diente als Spielzeug, was die ärmlichen Verhältnisse hergaben – auch alte, aussortierte Autoreifen. Beinahe wehmütig betonte Cekwana die Schlichtheit seiner Heimat und seine kindliche Naivität. Hinter seiner teils humorvollen Rückschau lauerten jedoch wiederholt Anspielungen auf anhaltende, spezifisch rassistische Probleme in Südafrika. Hierfür schlüpfte Cekwana stellenweise in die Rolle eines grotesken Königs – des letzten Königs der „Scheißquelle“. In Form von Spoken Poetry artikulierte er mithilfe dieser Figur die Illusion eines überwundenen Rassismus.  

„Unsere gelebte Erfahrung ist alles andere als frei von jedem Rassismus   

Auch Autorin Panashe Chigumadzi behandelt in ihrem Artikel „Von Kokosnüssen, Bewusstsein und Cecil John Rhodes: Desillusionierung und Leugnung der Regenbogennation“ die Rassendiskriminierung in Südafrika. Ihr Beitrag erschien im Magazin des Festivals. Die aus Simbabwe stammende Chigumadzi zählt sich zur sogenannten Regenbogen- oder Born free generation. Eine Generation frei – also nach Apartheit – Geborener, die als Projektionsfläche „eines farbenblinden, post-rassischen Südafrikas“ dient, jedoch mit anhaltendem Rassismus konfrontiert ist. Für sie symbolisiert das „Projekt der Regenbogengeneration“ nicht etwa das Ende des Rassismus in Südafrika, sondern „die Inklusion Schwarzer, ohne die grundlegenden, auf Rassismus basierenden Strukturen der Ungleichheit zu ändern.“   

„Die Frage des kolonialen Erbes spielt eine Rolle“ 

Arbeiten wie „thsole – a revolting mass“ von Neo Muyanga oder „DE-APART-HATE“ von Mamela Nyamza brachten diese Überlegungen auf die Bühne. Sie verhandelten, klagten an und erzählten ihre eigene Version der Kolonialgeschichte. „Die Frage des kolonialen Erbes spielt eine Rolle“, so Tilmann Broszat, der neben Sophie Becker die künstlerische Leitung des SPIELART-Festivals innehat, einige Tage vor Beginn des Festivals bei einer Programm-Vorstellung.

Bereits bei dieser Veranstaltung wurde deutlich: Die diesjährigen Künstler würden mit ihren Arbeiten Fragen aufwerfen wie „Wer schreibt Geschichte?“, „Wer erzählt Geschichte?“ und „Wessen Geschichte wird erzählt?“. Diesen Überlegungen widmeten sich auch die eingeladenen Theaterschaffenden aus Süd- und Südostasien. Ihre Arbeiten bildeten den zweiten Programmschwerpunkt mit dem Titel „Give us back our voice“.

Insgesamt gab das diesjährige SPIELART-Festival somit einen Einblick in die künstlerische Verarbeitung des kolonialen Erbes in zwei geographischen Räumen: Südafrika und Asien. Inwiefern eine solch strikte Unterscheidung bei gleichzeitiger Prämisse der internationalen Öffnung Sinn macht, ist fraglich. Dennoch boten Arbeiten wie „The Last King of Kakfontein“ Einblicke in die politische und gesellschaftliche Lage südafrikanischer Kulturschaffender und spielten mit in der westlichen Welt etablierten Sehgewohnheiten – sowohl auf ästhetischer als auch auf inhaltlicher Ebene. Gleichzeitig bildeten sie den Versuch, den anhaltenden Mechanismus des „Regenbogen-Jagens“ in Südafrika zu demaskieren.  

Über die Autorin: Franziska Koschei studiert im 3. Semester Medienkulturwissenschaft. Der Text entstand im Rahmen des Seminars „Sprechen/Schreiben für/über Tanz und Theater“ bei PD Dr. Katja Schneider.