Queerness und Studienstart

Prideflagge am Hauptgebäude der LMU © Leonie Lange

Der Studienbeginn ist eine Zeit voller Aufbrüche aber auch Herausforderungen für alle Studierenden. Doch für queere Studierende stellen sich zusätzliche Fragen, in Bezug auf ihre queere Identität und den Umgang mit dieser in der Studienzeit.

Prideflagge am Hauptgebäude der LMU Foto: Leonie Lange

Ein Gastbeitrag von Leonie Lange, stellvertretende Referentin des Queer-Referats der Studierendenvertretung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Auf vielen Schulhöfen ist “schwul” immer noch eine gängige Beleidigung und auch auf lesbische, bisexuelle, asexuelle und alle anderen queeren Personen wird häufig noch eher mit Ablehnung reagiert. Den Lehrkräften und Mitschüler*innen zu sagen, dass man jetzt einen neuen Namen hat und andere Pronomen verwendet ist auch eine Hürde, die vielen trans* und nicht binären Schüler*innen kaum überwindbar scheint. Doch dann ist die Schulzeit irgendwann vorbei und für viele queere Schüler*innen beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Das Studium.

Damit kommen neue Kommiliton*innen, neue Dozierende, vielleicht auch eine neue Stadt mit neuen Mitbewohner*innen und mit ihnen viele Fragen: Soll ich mich outen und wenn ja bei wem? Kann ich hier sein wer ich bin? Oder fliege ich lieber unter dem Radar und suche mir außerhalb der Uni ein Umfeld in dem ich offen queer sein kann? Der Studienbeginn bietet eine Möglichkeit, auf die viele queere Menschen warten. Jetzt ist es möglich, sich in einem neuen Umfeld, in dem noch keine Annahmen und Erwartungen über einen bestehen, neu zu etablieren. Dazu kann gehören, von Anfang an zur eigenen Sexualität oder Geschlechtsidentität zu stehen, einen neuen Namen oder neue Pronomen auszuprobieren oder sich einen Freund*innenkreis aus anderen queeren Personen aufzubauen. Doch natürlich verschwinden mit der Uni die Probleme und Ängste queerer Menschen nicht. Auch an Universitäten besteht die Gefahr nicht akzeptiert oder diskriminiert zu werden, wenn man offen zur eigenen queeren Identität steht. Insbesondere für trans* und nicht binäre Personen kommen auch an Universitäten bürokratische Hürden zu, die ohne Unterstützung schwer zu navigieren sind. Oder was ist, wenn man sich zu Beginn des Studiums outet und ein Jahr später merkt, dass das bisherige Label nicht mehr passt und man sich erneut outen “muss”?

Auf alle diese Fragen gibt es leider keine allgemeingültigen Antworten, auch wenn sich wahrscheinlich viele genau diese wünschen. Aber es gibt auch gute Nachrichten, denn queere Studienanfänger*innen stehen mit diesen Fragen nicht alleine da. Selbst wenn es sich so anfühlt, gibt es viele andere, denen es genauso geht und es gibt auch Anlaufstellen für sie. An vielen deutschen Hochschulen und Universitäten gibt es Queere Hochschulgruppen oder Referate, in denen queere Studierende sich vernetzen, unterstützen und gemeinsam das queere Studienleben gestalten. Sie bieten eine Anlaufstelle bei Fragen und Sorgen, setzen sich an den Universitäten für die Belange queerer Studierender ein und bieten Veranstaltungen zum Kennenlernen.

Um mit einer persönlichen Bemerkung zu enden, möchte ich sagen, dass ich mir alle diese Fragen vor ein paar Jahren selbst gestellt habe. Ich wusste nicht wem ich über mein Queersein reden kann und ob ich in das Queer-Referat passen würde. Wahrscheinlich hätte ich mich nie getraut alleine ein Treffen zu besuchen und lauter fremden Personen zu begegnen und war deshalb sehr dankbar, als ein Freund mich mitgenommen hat. Heute habe ich dort eine Gemeinschaft gefunden für die ich sehr dankbar bin und freue mich über jedes neue Gesicht bei einem unserer Treffen. Für alle die bereit sind zum ersten Mal zu einer queeren Studierendenveranstaltung zu gehen habe ich aber immer noch großen Respekt. Doch unabhängig davon, wie queere Studierende ihre Identität und das Studierendenleben navigieren, ob allein oder gemeinsam mit anderen, offen oder für sich, mit einer gefestigten Identität oder mit Unklarheiten, soll es für alle einen Platz an der Universität geben. Falls jemandem dieser Aufgrund seines*ihres Queerseins abgesprochen oder verwehrt werden sollte, steht ihm*ihr das Queer-Referat unterstützend zur Seite. 

Unter #QueerOnCampus schreiben Studierende des Queer-Referat der Studierendenvertretung der LMU über LGBTQ+ und andere Themen, die queere Personen im Zusammenhang mit München und dem Studium betreffen. Für die Inhalte sind allein die jeweiligen Autor*innen verantwortlich. Alle Beiträge der Serie hier nachlesen.