Audio Walks: Hören und Zuhören

Mit Kopfhörern im Lichthof: Audio Walks werden getestet © Foto David Roesner

Mit Audio Walks von Theaterwissenschafts-Studierenden können Studierende und Lehrende der LMU München vertraute Orte neu erleben.

Mit Kopfhörern im Lichthof: Audio Walks werden getestet © Foto David Roesner

Von David Roesner

Im vergangenen Wintersemester 2018/19 setzten sich zwanzig Master-Studierende des Instituts für Theaterwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München in einer gleichnamigen Projektübung mit „Audio Walks“ auseinander. Audio Walks sind eine schillernde Form der Performance zwischen Hörspiel, Audioguide und Klanginstallation; eine Aufführung, bei der Zuschauende selbst zu Protagonist*innen werden; eine kulturelle Praxis zwischen Gehen, Flanieren, Hören und Zuhören.

Neben der Analyse bekannter Vertreter*innen dieser Spielform wie Janet Cardiff, Ligna, Michaela Melián oder Rimini Protokoll stand auch die eigene praktische Auseinandersetzung mit Audio Walks im Zentrum. Zunächst näherte sich der Kurs in kleinen Übungen an das Format an: Wie führt man jemanden mit der Stimme von A nach B? Welche Funktionen können Sounds oder Musik haben? Wie nimmt man Stimmen auf?

Vertraute Orte neu wahrnehmen

In einem zweiten Schritt entwickelten die Seminarteilnehmer*innen in Gruppen Konzepte für eigene, längere Audio Walks, recherchierten Orte und Themen, schrieben Skripte und cue sheets, machten Feld- und Studioaufnahmen, editierten und mischten die Tracks. Das Resultat waren fünf Audio Walks von je circa zehn bis 15 Minuten, erdacht für Orte in der Münchner Innenstadt, die auf die Geschichte, die Lokalität, die Soziotope der jeweiligen Räume reagieren, sie beschreiben und überschreiben.

Studierende und Lehrende der LMU München haben mit den Walks die Gelegenheit, vertraute Orte mit neuen Augen zu sehen und neuen Ohren zu hören. Die Audio Walks können als mp3-Dateien auf dieser Moodle Seite heruntergeladen werden. Alle Rechte liegen bei den Urheber*innen. Die Dateien dürfen nicht ohne Zustimmung weiterverbreitet werden.

Das sind die Walks:

  • Lichthof  (Sophie Charlotte Bombeck, Miriam Bornhak, Sarah Fischbacher, Jan Grosfeld, Ursula Maier)

Start: am Brunnen vor dem Hauptgebäude der LMU
Der Audio Walk Lichthof zeichnet historisch bedeutsame Begebenheiten und Merkmale dieses Raumes akustisch nach und verwendet dabei Audiodokumente wie auch fiktive Spielszenen.

  • Maximilianstraße (Katharina Engel, Leonie Jasper, Julia Maschke, Géraldine Raths)

Start: am Beginn der Maximilianstraße am Max-Joseph-Platz
Dieser Walk spaziert eine der teuersten Einkaufsstraßen Münchens entlang und lässt uns aufhorchen und neu hinsehen, welche Welt sich hier verbirgt.

  • Friedensengel (Kastulus Forchheimer, Emma Greve, Julia Hammstiel, Britta Janßen)

Start: am Friedensengel
Der Audio Walk Was bleibt?, der am Friedensengel startet, verwickelt die Zuhörenden in eine philosophische Betrachtung mit Texten und Musik, eine Meditation über unsere Wahrnehmung.

  • Hauptgebäude (Shuo Feng, Jacqueline Galle, Hanna van der Heijden, Geeeun Ma)

Start: im Eingangsbereich des Hauptgebäudes
Mit On the Run verwandelt sich das Hauptgebäude der LMU in den Schauplatz eines Horror-Thrillers und einer Verfolgungsjagd, die einem die ehrwürdigen Hallen der Münchener Universität in ganz anderem Licht erscheinen lassen.

Dieser Audio Walk fand auf der Probebühne der Studiobühne der TWM statt, die nicht öffentlich zugänglich ist. Dort konnte man zu dem Audiotrack Videoaufnahmen des syrischen Schauspielers Salim Chreiki sehen. Das Tondokument erschließt sich aber auch ohne diesen räumlichen-visuellen Kontext. Dieser Audio Walk war eine Reaktion auf die Theateraufführung »In der Mitte der Welt« (Studiobühne) mit Salim Chreiki und stellt Fragen nach Migration, Identität, Theater und Altern.

 

Über den Autor: David Roesner ist Professor für Theaterwissenschaft mit Schwerpunkt Musiktheater an der LMU München. Er forschte und lehrte bisher an den Universitäten Hildesheim, Exeter und Kent und arbeitet gelegentlich als Theatermusiker.