„TAM-TAM-Bustour“: Wie ein Schulausflug

TAM-TAM-Bustour (c) Pia Springer

Wer erinnert sich nicht gerne an seine alten Schultage, insbesondere an Schulausflüge. Diesen Eindruck gewinnt zumindest eine Personengruppe am 12. Oktober, als sie sich an der Cafeteria Import Export auf den Weg zu einem Bus macht. Mit Brottüte in der einen Hand und Rucksack in der anderen. Doch hierbei handelt es sich nicht um einen Schulausflug, vielmehr um eine Veranstaltung im Rahmen des RODEO Festivals mit dem Namen „TAM-TAM-Bustour„.

TAM-TAM-Bustour © Pia Springer

Von Pia Springer

Zu Beginn der Veranstaltung erhält jede Teilnehmer*in ein Doggybag, gefüllt mit Süßigkeiten und einem kleinen Getränk. Kurz darauf die Anweisung, dem Veranstaltungsleiter Matthias Stadler zu folgen, der einen pinken Ballon in der Hand hält. Der „kurze“ Weg zum Bus ist geschmückt von mehreren kleinen Zwischenstationen, die sich entlang des Themes Science-Fiction überschneiden. In dieser Etappe erlebt man Stefan Vogelsinger vom Verein Setzkasten in einer kleinen, zweigeteilten Performance, die zu großen Teilen Zuschauerinteraktion fordert. Man lässt sich gerne mitreißen, was sowohl an der charmanten Art des Performers als auch an dem Verlangen liegt herauszufinden, was die ausgeführte Handlung mit sich bringt.

Das zweite Erlebnis folgt als Einschub auf die oben genannte Performance. Man wird auf eine Wiese mit Hügel geführt. Auf der Spitze steht der Musikkünstler Michael Jandejsek mit einer grünen Wollmaske auf dem Kopf, die wohl das Gefühl der Fremdartigkeit verstärken soll. Von da an ist man gezwungen zuzuhören, wie er an seinen Maschinen DJ spielt. Nachdem das erledigt ist, gibt es Wein zu trinken, während die Wanderung fortgesetzt wird.

Dass weit und breit kein Bus zu sehen ist, haben einige bereits nach den ersten zehn Minuten hinterfragt. Nach mehr als einer Stunde dann sind sie völlig euphorisch über das Auftauchen des beeindruckenden Oldtimers, welcher plötzlich um die Ecke biegt. Nun geht die Busreise erst richtig los. Entspannende Musik tönt aus den Lautsprechern, während jede Teilnehmer*in der Veranstaltung sich selbst überlassen ist. Im Bus stellt sich das Schulausflugsgefühl wieder ein, denn genau wie damals, wird es auch jetzt im hinteren Teil des Buses sehr laut. Wie ein Lehrer muss der Veranstaltungsleiter die Businsassen zur Ruhe ermahnen, während er stets vor dem nächsten Halt ein paar Worte über die vorherige und die folgende Etappe spricht.

Nach kurzer Fahrt folgt die zweite Etappe. Hierfür wird man in einen kleinen Kellerraum geführt, in dem Fabiola eine Performance darbietet. Für unbestimmte Zeit wird man hier angeschrien und auch sonst mit unerträglichen Geräuschen bombardiert, welche stark an der Schmerzgrenze kratzen. Es erinnert an einen Tobsuchtanfall eines Kleinkindes. Die Performance stößt hauptsächlich auf Frust, da man sich am Ende die Frage stellt, was das denn genau gerade war. Die schauspielerischen Fähigkeiten der Performerin nicht in Frage gestellt, war dies der mitunter anstrengendste Teil des gesamten Ausflugs.

Der nächste Ort, das KloHäuschen, hat keinerlei Ähnlichkeit zu den vorherigen Etappen. Man steht vor einer ausrangierten Herrentoilette, welche einem als Hexenküche verkauft wird. Anja Uhlig und Ildiko Meny erklären, wie man sich aus dem bereitstehenden Lavendel, Ringelblumen und Ringelblumencreme eine Tinktur für was auch immer mixen kann. Nacheinander geht jeder rein und mischt etwas zusammen. Dann geht die Fahrt weiter. Man mag sich die Frage stellen, was dieser Einschub bezwecken sollte. Dennoch war es ein amüsantes und vor allem entspannendes Erlebnis, da man hier nicht den Zwang verspürte, etwas deuten zu müssen.

Das nächste Ziel ist ein Hotel, in dem man auf eine im Bett „schlafende“ Domino Pyttel trifft. Einerseits entsteht hier ein sonderbareres, unangenehm intimes Moment. Andererseits erweckt die Leopardenmaske auf ihrem Gesicht den Eindruck, in einem Zoo zu sein. Während der gesamten Performance gibt sie keine Regung von sich, sondern lässt ein Video, welches ein Interview über sie zeigt, für sich sprechen.

Es folgt die letzte Etappe: die Rückkehr zum Startgelände. Mit einer musikalischen Performance mit der Jet No band und Stefan Vogelsinger, in der kleine Kärtchen durch die Luft geworfen werden, endet die Veranstaltung.

Performance ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Wer sich allerdings gerne überraschen lässt, ist hier genau an der richtigen Adresse. Es ist eine Bustour, die man so schnell nicht vergessen wird. In diesem Sinne: bitte anschnallen und aufpassen, dass man seine Buspartner*in nicht verliert.