Moritz Ostruschnjaks „Boids“: Eine faszinierende Zusammengehörigkeit

"Boids" von Moritz Ostruschnjak (c) Jubal Battisti

Einer für alle und alle für einen“ – fünf Tänzer, die zusammen ein Ganzes bilden. Nur zusammen ist man stark. In unserer Gesellschaft benötigt jeder einmal Hilfe, braucht eine Ansprechpartner*in in der Not. Viele glauben, dass sie es alleine weiter und höher schaffen. Moritz Ostruschnjaks Tanzstück „Boids“ (bird-oid objects), das im Rahmen des RODEO Festivals inszeniert wurde, veranschaulicht die sinnvolle Vernetzung zu einer Gemeinschaft, in der sich die Individuen gegenseitig in ihrem Handeln beeinflussen.

„Boids“ von Moritz Ostruschnjak © Jubal Battisti

Von Tori Samar

Weißer Nebel, weiße Kleidung, weißer Raum: Alles scheint ineinander zu verschwimmen. Was ist real und was nicht? Zwei Tänzerinnen und drei Tänzer schimmern durch den Nebel hindurch und begrüßen die Zuschauer mit langsamen und anmutigen Bewegungen. Die tänzerischen Figuren haben eine eigenartige Wirkung. Es gehen den Zuschauern viele Fragen durch den Kopf, für die sie im Laufe des Stücks keine Antworten bekommen werden. Weichen die Tänzer*innen unsichtbaren Gefahren aus? Sind sie von einer fremden Macht besessen? Ist der Nebel ein Sinnbild für die Wolken am Himmel? Und dient das blaue Licht zur Darstellung eines Meeres? Diese und viele weitere Fragen, muss jeder für sich selbst beantworten.

Wenn man nicht genau hinsieht, wirkt die Vorstellung wie eine Performance, wie ein Tanz ohne einstudierte Choreographie, aber das macht das Stück auch so einzigartig. Scheinbar tanzt jeder auf der Bühne nach seinem Belieben und seinen Fähigkeiten, doch zusammen ergeben sie immer einen Komplex aus Harmonie, Gleichtakt und Eleganz. Oft kommen sich Tänzer*innen ganz nahe und lassen sich von dem Anderen mitreißen und anstecken. Sie vervollständigen die Figuren und folgen somit schwärmerisch den Mittänzern.

Das Phänomen des Schwarms, welches sich Moritz Ostruschnjak zum Leitbild der Vorstellung gemacht hat, findet großen Widerhall in den Tänzen. Keiner tanzt lange alleine, sie vollführen alle andere Bewegungen, aber sie bleiben immer in der Gruppe und ziehen sich magisch an. Es wird auf den Anderen eingegangen und ausgewichen, um jedem den benötigten Platz zu geben. Daraus folgend gibt es eine versteckte Mustervorgabe, an die sich die Tänzer*innen halten müssen, die dem Zuschauer aber meist verborgen bleibt.

Auch wenn der Raum bei dem Stück eher leer und karg wirkt, ist das Bühnenbild vollständig. Die Tänzer*innen füllen mit ihrer starken Präsenz und Energie den ganzen Raum. Requisiten hätten von den spannungsvollen Momenten abgelenkt. Der komplette Raum wird ausgenutzt, jede Ecke, jede Wand und der ganze Boden werden Schauplatz der Vorstellung.

Das Licht und die Musik sind bei diesem Stück zwei zentrale Themen, die eine große Rolle spielen. Die Scheinwerfer ändern die Farbe und Helligkeit, sodass sich die Zuschauer immer eine kurze Zeit an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnen müssen. Die Musik ist nicht gleichbleibend, sie besteht aus einem Dröhnen, dass permanent auf- und abschwillt. In manchen Momenten wird es komplett still im Raum und man traut sich kaum zu atmen, weil man die magische Situation nicht unterbrechen möchte.

Das Stück von Moritz Ostruschnjak zeigt, dass alleine fünf Tänzer*innen ohne Hilfsmittel, Requisiten und Bühnengestaltung die Zuschauer in einen Bann aus Gefühlen von Einsamkeit, Zusammengehörigkeit und Vertrauen ziehen können.