Inbetween. Ein kunstpädagogischer Drahtseilakt

Foto: Vanessa Luschmann Künstlerin: Rachel Pellkofer

Zwischen Stadt und Land, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Stühlen –  Inbetween Die Abschlussausstellung des Bachelorstudiengangs Kunstpädagogik lockt mit Unklarheiten. Wieso das kein Widerspruch ist, zeigt sich bei näherer Betrachtung.

© Foto: Vanessa Luschmann
Künstlerin: Liza Lechner

Von Emily Nill

Dazwischen sein, sich nicht ganz festlegen wollen, flexibel agieren und Situationen möglichst veränderbar schaffen, um wiederum nach Lust und Laune darauf reagieren zu können. Das „zwischen den Stühlen stehen“ ist nicht nur im Alltag, sondern auch in der Kunst omnipräsent. Mit welchen Mitteln, welchen Medien kann man adäquat zu Veränderungen und Unsicherheiten unserer Gegenwart Stellung beziehen, wenn alles hinterfragbar erscheint. Ist es überhaupt möglich sich künstlerisch und inhaltlich klar zu positionieren und festzulegen? Dementsprechend fordert dieses, für das Subjekt eines neoliberalen Kapitalismus konstitutives, Suchen nach Identität neue Formen des ästhetischen Ausdrucks.

Produktiv Prozesshaftes

Inbetween ist das treffende Schlagwort unter dem die Studierenden des  Bachelor Studiengangs Kunstpädagogik der LMU ihre Abschlussausstellung präsentieren. Der Untertitel Zwischen den Trapezen verweist richtungsweisend auf das Programm, welches uns vom 28.06. bis zum 01.07. in der Halle 50 erwartet. Die Assoziation mit dem Drahtseilakt des Artisten vermittelt eben jenes Gefühl der Millenials keinen festen Boden unter den Füßen zu spüren, sich permanent entlangzuhangeln wie ein Artist, in der Hoffnung, Antworten auf diverse Fragen zu erhalten, die Komplexität unserer Gegenwart zu verstehen.

18 künstlerische Positionen verhandeln diese Thematik auf unterschiedlichste Art und Weise, nähern sich sehr abstrakt oder aus einer eher dokumentarischen Perspektive. Die ständigen Entwicklungen unterworfenen Pole von Stadt und Land, Vergangenheit und Gegenwart, der Zwischenmenschlichkeit und der Banalität des Alltags finden Eingang in die künstlerische Auseinandersetzung, sei es durch Grafiken, Malerei, Fotografie, Video, Installation oder interaktive Modelle. Gleichsam steht die Ausstellung im Dialog mit ihrem Raum, der Halle 50 bzw. den Domagkateliers, im Stadtquartier Domagkpark in Freimann. Im Kontext von städtischem Wandel und dessen Einfluss auf künstlerische Freiräume, die sich außerhalb gefestigter Institutionen kaum in örtlicher und finanzieller Sicherheit wägen können, wird die Ausstellung noch um eine weitere Ebene bereichert.

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Künstlerin: Veronika Weyner

Pädagogisch wertvoll

Die Studierenden verstehen ihre Ausstellung nicht umsonst als „Dialograum“: Es geht um das Zusammentreffen von Inhalten und Medien verschiedenster Form, aber auch um das Hochhalten integrativer Kunstformate, die die Vermittlung solcher konsequent mitberücksichtigen. An dieser Stelle kann die Pädagogik in der Fachbeschreibung nochmal dick unterstrichen werden. Der Katalog zur Ausstellung und das „vielfältige Vermittlungsprogramm, u.a. in Kooperation mit der benachbarten Kinder-, Jugend-, und Familieneinrichtung Funkstation Feierwerk“, sollen eine gründliche Reflexion der aufgeworfenen Fragen bieten, ebenso spielerische Zugänge für Kinder ab 6 Jahren sind mit im Repertoire.

Gerade in der Vagheit der Formulierungen von Dynamik, Prozesshaftem und Veränderung als Programm liegt die Stärke der Ausstellung und der Reiz, diese zu besuchen. Denn hier wird nicht nur eine künstlerische und inhaltliche Fülle garantiert, bei der sicher für jede_n was dabei ist, sondern auch eine ganz undogmatische Perspektive auf Dinge, welche man eben nicht mal schnell zwischendrin und nebenbei begreift.

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Künstlerin: Rachel Pellkofer

 

Abschlussausstellung des Bachelor-Studiengangs Kunstpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)

Halle 50 des städtischen Atelierhauses am Domagkpark in München

Vernissage: Do., 28. Juni 2018, 19 Uhr

Ausstellung: 29. Juni – 01. Juli, tägl. 11 – 20 Uhr