Das Bild und sein Rahmen – Fotografie in Zeiten der Digitalisierung

(c) Massimo Grimaldi: EMERGENCY’s Centre Pédiatrique in Bangui 2017

Der zweite Teil der Ausstellungsreihe „Fotografie Heute. – Künstlerische Fotografie im digitalen Zeitalter“ fragt nach dem öffentlichen Raum in einer digitalen Welt und dessen Begrenzung. 

© Max Pitegoff and Calla Henkel: Machine Prototype 1 (2017)

Von Carolin Wittmann

Beim Betreten der Ausstellung Fotografie Heute: Private Public Relations fällt der Blick zuerst auf eine riesige Maschine. Das Ungetüm erinnert an einen Zeitungsdrucker. Am Fließband laufen Bilder langsam im Kreis. Die abgedruckten Fotografien sind minimalistisch-modern und zeigen alltägliche Szenen und Regierungsgebäude. Nicht unbedingt zu erwarten in einer Ausstellung zu digitaler Fotografie. Aber die Arbeit von Calla Henkel & Max Pitegoff steht stellvertretend für die Frage, wie heutzutage Fotografie und der öffentlichen Raum, in dem Fotografie stattfindet, materialisiert werden kann.

Die Ausstellungsreihe Fotografie Heute – Künstlerische Fotografie im digitalen Zeitalter in der Pinakothek der Moderne widmet sich im zweiten Teil ebendieser Frage. Die Gastkuratorin Melanie Bühler geht die Aufgabe mit fünf Positionen an, die trotz ihrer unterschiedlichen Materialität durch den Versuch etwas Immaterielles – wie ein digitales Bild – in einen physischen Rahmen zu bringen, vereint sind. „Die Immaterialität soll durch die Materialität betont werden“, erklärt Bühler.

© Eric Jane Nelson: Montgomery and Market Nurse, 2015

Während Erin Jane Nelson und Sadie Benning in ihren Arbeiten mit dem analogen öffentlichen Raum in Straßenfotografie und mit neuen Oberflächen- und Drucktechniken auf Stoff oder Holz experimentieren, bezieht Nina Könnemann in ihrer  Video-Arbeit „Free Wifi 4“ (2018) den digitalen öffentlichen Raum in sozialen Netzwerken mit ein. Durch die App Periscope verband die Künstlerin in einer Live-Perfomance am 14. Juni Menschen, die sich in öffentlichen WLANs befanden,  miteinander.

© Sadie Benning: rainy day/gender 1, 2017

Besonders polarisiert die Arbeit von Massimo Gramaldi. Er kombiniert Bildrealität mit Designrealität. Seine Fotografien zeigen Menschen aus Bangui in Zentralafrika auf zwei neuen Apple-Computern. Das Gezeigte kollidiert mit dem Rahmen, zeigt auf fast ironische Weise den Unterschied zwischen „Innen“ und „Außen“ und hinterfragt den westlichen Konsumzwang.

 

 

 

Ausstellungsdauer | 15. Juni – 07. Oktober 2018
Pinakothek der Moderne
Täglich 10:00 – 18:00, Montags geschlossen, Donnerstags 10:00 – 20:00
10 Euro | ermäßigt 7 Euro

Künstlergespräch: Calla Henkel & Max Pitegoff 27. September 2018 | 18.30 | Ernst von Siemens Auditorium | Eintritt frei

 

Carolin Wittmann studiert derzeit im 03. Semester im Master Kunstgeschichte am Department Kunstwissenschaften.

© Massimo Grimaldi: EMERGENCY’s Centre Pédiatrique in Bangui 2017