Filmreihe

„The Creator“ – Science-Fiction der Extraklasse

„The Creator“ wurde mit einer Einsteigerkamera gedreht. Doch für einen guten Film braucht es mehr als eine verschlankte Produktion.

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Von Jonas Hey

In seinem neuen Film „The Creator“ schafft der Regisseur Gareth Edwards eine Zukunftsvision, die schon aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte unwirklich erscheint. Edwards hat den Film mit einer Einsteigerkamera gedreht, dabei nur wenig künstliches Licht eingesetzt und nicht im Studio, sondern vor Ort gedreht. Dadurch wirkt der Film wie eine Indie- und weniger wie eine Hollywoodproduktion. Zusätzlich sind sämtliche Spezialeffekte erst in der Postproduktion eingefügt worden. Beides zusammen hat zu Produktionskosten von nur 80 Millionen Dollar geführt. Der ähnlich aufwendige Marvelfilm „Eternals“ hat hingegen das Dreifache (236 Millionen Dollar) gekostet. Einige Journalisten sprechen schon von einer Revolution der Filmwelt.

Eine Handlung zum Mitfühlen

Dabei ist das gezeigte Szenario nicht neu: Der Westen kämpft in Ostasien gegen KI-freundliche Staaten und ein Soldat wird losgeschickt, um eine gefährliche Waffe auszuschalten. Diese entpuppt sich allerdings als kleines Mädchen, das Beschützerinstinkte im Soldaten weckt und zudem verspricht, seine Frau zu finden. So begeben sich die beiden ähnlich einem Roadmovie auf den Weg und lernen dabei verschiedene Cyborgs und Menschen kennen. Zuletzt gelingt es ihnen, die übermächtige Raumstation NOMAD zu vernichten.

Dieser einfachen Handlung wird von den Figuren Leben eingehaucht. Der Soldat Joshua ist gespalten zwischen der Liebe zu seiner Frau und der Loyalität gegenüber seiner Regierung. Zunächst sieht er das Kind nur als Mittel zum Zweck und als menschenähnliche Maschine. Mit der Zeit entwickelt sich daraus eine Freundschaft, die auf echten Emotionen fußt. Dass der Zuschauer dabei mitfühlen kann, liegt an dem großartigen John David Washington (ja, er ist der Sohn von Denzel Washington). Seine vielfältige Mimik setzt einen guten Gegensatz zu Darstellern in Mainstreamfilmen, die nur noch steinerne Mienen oder übertriebene Reaktionen zeigen können. Man fühlt sich als Publikum, als wäre man Teil dieser Welt und hätte mit echten Menschen zu tun.

Science-Fiction zum Staunen

Neben den Figuren besticht auch die dargestellte Technik. Diese findet aufgrund der zuvor beschriebenen Produktion meist im Hintergrund statt: Gigantische Silos oder Raumhäfen überragen die Inseln in Südasien. Dazu kommt die epische Raumstation NOMAD, die über der Landschaft schwebt und mit einem Laser mögliche Ziele scannt. Dann wären da noch die gewaltigen Panzer, die in der Mitte des Films aus dem Unterholz brechen und an wahr gewordene Landkreuzer-Fantasien aus dem Dritten Reich erinnern. Auch die Cyborgs sind stets als solche erkennbar, da sich auf der Höhe der Ohren ein zylindrisches Loch im Kopf befindet, durch das man rotierende Elemente sieht. Bis auf dieses Detail sehen sie aus und verhalten sich wie normale Menschen. Die Roboter hingegen sehen aus wie in anderen Science-Fiction-Filmen und wirken dumpf im Vergleich zu den Cyborgs.

All diese Punkte machen einen guten Film aus, denn es kommt nicht auf die Anzahl der Explosionen, sondern auf die Figuren und die erlebte Welt an. Natürlich werden Roboter, Cyborgs und vielleicht auch KIs gezeigt. Doch sie sind nur eine Projektionsfläche für die Figuren und ihre Gefühle. Das ist auch notwendig, damit man als Publikum ein Teil der Welt werden und in ihr versinken kann, sodass man am Ende des Films wie aus einem Traum aufwacht und sich wundert, warum die Welt um einen herum so langweilig und trist aussieht.

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