Jammern ist unsexy – Tanz im Schweren Reiter

Susanne Norenius/ Búi Rouch in Tanya Rydall Montan RANDOM (UN)happiness (c) Tanztendenz

Zum dritten Mal fand HIER=JETZT Plattform für zeitgenössischen Tanz  im Schweren Reiter statt. Vom 12.-16. April 2018 zeigten 28 Choreografen der freien Tanzszene Münchens ihr Können oder experimentierten an neuen Projekten in vier Open Spaces.

Susanne Norenius/ Búi Rouch in Tanya Rydall Montan RANDOM (UN)happiness © Mehmet Vanli

Von Carolin Wittmann

Die Initiatorinnen Johanna Richter und Birgitta Trommler gründeten die Plattform aus der Notwenigkeit heraus, freien Raum zu nutzen und es Tanzschaffenden zu ermöglichen, Projekte jenseits von Fördergeldern und Auflagen zu schaffen. Einfach, indem sie ihnen für eine oder zwei Wochen einen Platz zum Proben geben und abwarten. „Es war verrückt“, berichtet Brigitta Trommler, „die Tänzer probten überall. Hier auf der Bühne, oben in den Räumen der Tanztendenz, sogar im Foyer. Der Arbeitswille ist extrem hoch.“

Das Problem fehlenden Platzes steht symbolisch für München. Bezahlbaren und vor allem verfügbaren Raum für Kunst und Kultur zu finden und öffentlich zugänglich zu machen, ist schwierig. Aber nur so ergeben sich Möglichkeiten für Künstler ihren Stil zu finden, Kontakte zu knüpfen und Ideen weiterzuentwickeln.

Mach einfach

Unter dem Motto „Mach einfach“ startete HIER=JETZT mit einer Podiumsdiskussion. Die Veranstalterinnen Richter und Trommler, sowie Christiane Pfau vom Münchner Feuilletonund Tanzwissenschaftlerin Katja Schneider, Dozentin an der LMU, diskutierten eben diese Fragen nach fehlendem Platz. Ob die Lösung ist Flächen guerilla-artig zu besetzen, wie Christiane Pfau vorschlägt, wurde ebenso thematisiert, wie die gerechte Verteilung von Fördergeldern. Einig waren sich die Expertinnen aber darin, dass Künstler und Kreative mehr Plätze beanspruchen und vereinnahmen müssen. „Jammern ist unsexy“, erklärt Pfau. 

Bunte Mischung

Neben Debütanten der Tanzschule Iwansonzeigten auch erfahrene Tanzschaffende wie Tomer Zirkilevich, Bui Rouch oder Rosalie Wanka ihre aktuellen Projekte als Work in Progress. Während Zirkilevich homosexuelle Beziehungen in MyDavid satirisch aufs Korn nimmt, tanzt Rosalie Wanka „betörend-verliebt“ zusammen mit Chris Pascal Eglund Braun bei HIER=JETZT einen Ausschnitt aus DIFFERENZEN, eine Auftragsarbeit für das Musikfest Neue Musik in Bewegung.

Amie Jammeh in Búi Rouch The Throb / The Quake – Research © Mehmet Vanli

Die Themen der Plattform sind vielseitig, von düsteren Solo-Performances, multimedialen Aufführungen, Improvisation, komödiantischen Tanztheater bis zu Gruppenchoreografien. Auch die Frage nach Raum beschäftigte die Tänzer. Barbara Galli-Jescheck und Katharina Voigt erforschten den Zusammenhang von Bewegung und Raum im zeitgenössischen Tanz als Grundlage für den Architekturentwurf. 

Die Idee steht im Vordergrund 

Da keine Vorauswahl der zugelassenen Tänzer stattfand und die Open Spacesaus Zeitgründen nicht kuratiert wurden, gab es allerdings deutliche Unterschiede in der Qualität des Tanzes. Brigitta Trommler nennt als Ziel für die nächste Plattform, hier mehr zu selektieren und spricht von der Schwierigkeit eine Auswahl zu treffen ohne wieder in die Förderstrukturen zu fallen, die sie eigentlich umgehen möchte: „Vielleicht müssen wir in Zukunft mehr nach Konzepten und Ideen fragen“, zieht sie als Fazit.

Amie Jammeh in Búi Rouch The Throb / The Quake – Research © Mehmet Vanli

HIER=JETZT zeigte, dass Münchens Tanzschaffende motiviert und ihre Werke vielfältig sind. Einige könnt ihr schon bald wieder in München sehen:

Lotta Sandborgh
04. bis 06.05.2018 Licensed to Dance
Gasteig, Carl-Orff Saal um 19:00 Uhr

https://www.muenchenticket.de/guide/tickets/22le1/Licensed+to+Dance.html

Rosalie Wanka
12.05.2018 DIFFERENZEN
für das Musikfest Neue Musik in Bewegungim Schwere Reiter

http://www.mgnm.de/de/konzerte/neue-musik-bewegung