Von brennenden Brücken und traurigen Tönen

Die schwedische Band Holmes machte auf ihrer Deutschlandtournee an einem Freitag im Mai Halt in einer WG in der Maxvorstadt. Philtrat war beim Konzert vor Ort.

 

Kristoffer Bolander und Larisa Ljungkrona von den Holmes

Das Prinzip des Hauskonzerts ist nun eigentlich schon relativ alt, hat allerdings in München noch immer nicht recht Fuß gefasst wie vergleichsweise in Berlin oder Leipzig. Dabei wäre es so einfach: Wer ein Lager für die Nacht, eine warme Mahlzeit für mehrere Personen und obendrein Zuschauer anbieten kann, kommt dafür im Gegenzug in den Genuss eines privaten live-Konzerts in ganz besonderer Atmosphäre.

Diese scheint es auch gewesen zu sein, die Anfang Mai knapp 60 junge Menschen in einer WG in Uninähe zusammenbrachte. Die Musiker sind dabei eher unbekannt, wenngleich zum wiederholten Mal auf Deutschlandtour: Es handelt sich um die Holmes aus dem schwedischen Göteborg. Im Gepäck haben sie mit Burning Bridges ihr drittes Studioalbum seit der Gründung der Band im Jahr 2003.

Am Akkordeon: Larisa Ljungkrona

Zwischen zwei Shows in Chemnitz und Stuttgart kam das Wohnzimmerkonzert für die Schweden gerade recht. Tage innerhalb einer Tour ohne gebuchtes Konzert werden in Musikerkreisen off days genannt. Während sich Konzerte durch angeschlossene Übernachtungen und Catering normalerweise selbst finanzieren, sind diese teuer: Kein Veranstalter kommt für Unterbringung und Verpflegung auf und falls man nicht zufälligerweise Freunde oder Bekannte in einer fremden Stadt hat, steht die Band erst einmal auf der Straße. Gerade ausländische Gruppen greifen deshalb gerne auf die Möglichkeit des privaten Konzerts zurück. Obendrein gibt es die Möglichkeit, einen Hut herumgehen zu lassen und Geld durch T-Shirt- oder CD-Verkäufe einzunehmen.

V. l. n. r.: Daniel Zackrisson (p), Axel Krantz Vesterberg (dr), Kristoffer Bolander (lead voc, git), Johan Björklund (verdeckt, steel git), Larisa Ljungkrona (ak), Sakari Tropp (b)

Das tun die Holmes im Wohnzimmer nach dem Konzert und sie tun es zurecht: Vom ersten Moment an ist das Publikum gebannt vom abgeklärt-melancholischen Style der Band. Langsame Folk-Nummern wechseln sich ab mit treibenden Beats, immer zusammengehalten von der ausdrucksstarken, sanften Stimme von Sänger Kristoffer Bolander und dem unverwechselbaren Klang der steel guitar. Man hat das Gefühl, auf eine Reise mitgenommen zu werden, mit dem Floß über dunkle schwedische Seen und das Meer auf die zerklüfteten Felsinseln Göteborgs. Aber immer langsam abwartend: Selbst in diesem privaten Raum präsentieren sie sich sogar noch bei den Ansagen zwischen den Songs schüchtern und unaudringlich anstatt abgeklärt.

Johan Björklund prägt an der Steel Guitar den Sound der Band.

Am Montag darauf spielt die Band in der Südstadt gegen Eintritt. Genau wie dieses ist auch das Hauskonzert kein Gaudi-Auftritt: Die Holmes nehmen das neugierige, nicht-zahlende Publikum genauso ernst wie jedes andere. Dieses zahlt es ihnen doppelt zurück: Einerseits durch fast schon greifbare Spannung und Erwartungsfreude, die in der Luft liegen – kein Mensch wagt während der Lieder zu sprechen – andererseits jedoch auch in finanzieller Hinsicht: Geld wird gesammelt und die Band wird mit einigen Alben weniger im Gepäck weiterfahren.

Greifbare Spannung: Das schwelgende Publikum

Leben könne man davon natürlich nicht, meint Steel-Gitarrist Johan Björklund. Alle Bandmitglieder gehen in ihrer Heimat einer Arbeit nach, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, oder studieren. Auch das Hauskonzert in der Maxvorstadt ist alles andere als lukrativ: Der karge Verdienst wird wohl allein durch die Benzinkosten schon wieder aufgefressen. Also bleibt die Musik vorerst Hobby.

Doch das ist dem Publikum, das an jenem Freitag im Mai einen unvergesslichen Abend erlebt, ohnehin egal. Auch wenn sich die Musiker davon allein nichts kaufen können, haben sie doch die „nördlichste Stadt Italiens“ für einen kurzen Augenblick ein bisschen skandinavischer gemacht. Und das ist schließlich noch nicht allzu vielen gelungen.

Ästhetik des Hauskonzerts

 

Links:

Ein Video vom Wohnzimmerkonzert

Offizielle Bandhomepage

Holmes auf Facebook

 

Besetzung:

Johan Björklund (Steel guitar)

Kristoffer Bolander (Leadgesang, Gitarre)

Axel Krantz Vesterberg (Schlagzeug)

Larisa Ljungkrona (Akkordeon, Begleitgesang)

Sakari Tropp (Bass)

Daniel Zackrisson (Klavier)

Heimatort: Göteborg, Schweden

Gründungsjahr: 2003

Diskographie: Burning Bridges (2012), Have I Told You Lately That I Loathe You (2010), Wolves (2008)

 

Alle Fotos: © Marc Schemmer (www.mashed.de)