Tür zu – Kälte raus!

Von Thilo Schröder

 Leise rieselt der Schnee, so dicht, dass ich nix mehr seh. Wie sehr haben wir ihn vermisst an Weihnachten, diesen blütenweißen Bilderbuchschnee. Kein Wunder, dass die Heiligen Drei Könige erst am 06. Januar zur Krippe gestapft sind, um ihre Gaben abzugeben. Ist ja auch viel schöner in so ’ner Winterlandschaft. Moment, nein, im Nahen Osten ist es ja viel zu warm um diese Jahreszeit. Egal.

Jedenfalls hab ich den Schnee sehr vermisst im Dezember. Nicht jedoch diese Eiseskälte. Als ich am Dreikönigsabend also mit meinen beiden Schwestern durch die Münchner Innenstadt schlittere, komme ich nicht umhin, das Wetter still zu verfluchen. Schnee ist ja toll. Aber warum muss es ausgerechnet heute zweistellige Minusgrade haben? Der kälteste Tag der Woche! Und warum ist das Bier in Toby’s Kitchen im Glockenbachviertel heute besonders eiskalt? Eine Frage, die im Post-Glühwein’schen Januar so manchen dazu verführen könnte, es sich lieber mit einer Tasse Kaffee vorm Fernseher gemütlich zu machen.

Aber nicht uns. Denn die Lösung für dieses Kälteproblem liegt nur einen guten Steinwurf entfernt, direkt am Eingang der U-Bahn-Station Fraunhoferstraße. Dort befindet sich nämlich der „Bergwolf“. Ein kleiner, unscheinbarer Imbissladen, bei Einheimischen durchaus bekannt. Hier gibt es prinzipiell nur zwei Dinge zu kaufen: Currywurst und Pommes – und natürlich auch eiskaltes Bier. Bis in die frühen Morgenstunden sitzen hungrige und aufwärmbedürftige Menschen fröhlich zusammen, werden von charmanten Kellnerinnen mit einem breiten Lächeln bedient – und beobachten im Winter die wenigen fröstelnden Raucher vor dem Fenster.

Ich schaue nach draußen. Eigentlich bin ich ganz froh, dass Weihnachten in Deutschland nicht erst am 06. Januar gefeiert wird. Denn dann könnte ich nicht hier im „Bergwolf“ sitzen und auf frisch frittierten Pommes herumkauen, sondern müsste stattdessen ausgedehnte Weihnachtsspaziergänge über mich ergehen lassen. Bei Minus 15 Grad! Nene, da hab ich den Schnee – und von mir aus auch die Kälte – lieber hier und jetzt.