Mit Regenbogenbinde auf dem Platz

© Foto: Benedikt Matern

Offen über Homosexualität redet bis heute niemand im Männerprofifußball. Zu groß scheint die Sorge vor negativen Reaktionen. Wie ist das bei den Amateur*innen? Ein Gespräch über Toleranz, Mannsbilder und „sogenannte Fans“.

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Das Gespräch führte Inti Crisanto Guder

Thilo Mölders hat vor drei Jahren den Panenka FC gegründet. Mit dem Verein spielt der Mittelfeldspieler in der Royal Bavarian Liga, einer Freizeitliga für Hobbymannschaften. Nach dem Abitur hat der 25-Jährige bei einem großen Fußballbekleidungsfachgeschäft in München gearbeitet und ist seit drei Jahren bei Kickbase, einer Fußball-Manager-App aus München, beschäftigt.

Wenn du mit dem Panenka FC einmal gegen einen Profiklub aus den ersten Ligen Europas spielen dürftest, welcher wäre es und warum?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich denke, ich würde einen Verein aus der Bundesliga wählen, einfach schon wegen der Atmosphäre. Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund oder den FC Bayern. Auf die Mappe bekommt man sowieso.

Stichwort FC Bayern: Glaubst du, die Wahrnehmung eines Robert Lewandowski, Thomas Müller oder auch Manuel Neuer wäre anders, wenn sich der Spieler als homosexuell outen oder offen homosexuell leben würde?

Was die Öffentlichkeit anbelangt? Ich denke schon. Was natürlich schade ist, und ich finde, das Problem ist schwer zu definieren. Ich habe das Gefühl, dass sich beispielsweise alteingesessene Sponsoren abwenden könnten und eine Angriffsfläche für sogenannte Fans entsteht. Sogenannt, weil Leute, die sich rassistisch oder homophob äußern, für mich dann keine Fans des Sports mehr sind und die Bezeichnung meiner Meinung nach auch nicht verdient haben. Während meines Sportabiturs haben wir über Doping geredet, was auch im Profifußball ein Problem ist, beispielsweise der Missbrauch von Schmerzmitteln. Die Aufrechterhaltung des starken Mannsbilds, der über seine Schmerzgrenzen hinaus geht und weiter Leistung bringt, ist also tief verankert.

Du hast die Sponsoren angesprochen, die sich eventuell abwenden könnten. Ist es mittlerweile nicht umsatzfördernd, wenn man sich als Marke stark macht für Toleranz und Offenheit?

Es ist auf jeden Fall richtig, sich stark zu machen und dann ist der Vorwurf, dass man das nur für die Publicity macht, eigentlich gar kein Vorwurf. Aber man merkt schon, dass während des Pride Month dann plötzlich jeder die Regenbogenflagge zeigt; das könnte man auch zwölf Monate lang tun.

Wie wäre es für dich, wenn sich einer deiner Mitspieler als homosexuell outen würde?

Für mich wäre das vollkommen in Ordnung. Und es ist auch egal, ob das ein Spieler aus meinem Team ist oder ein Gegenspieler: Das ist ja immer noch der gleiche Mensch.

Wie selbstverständlich und alltäglich ist Homosexualität im Amateurbereich der Männer?

Für den gesamten Amateurbereich kann ich das schwer einschätzen, da wir nur an Spieltagen auf gegnerische Mannschaften treffen, aber beim Panenka FC herrscht ein offenes Klima. Bei Clubgründung wurde die Regenbogenkapitänsbinde eingeführt, um Solidarität auszudrücken und Spenden aus der Mannschaftskasse gehen zum Beispiel an buntkicktgut. Wir hatten auch schon überlegt, mal direkt an eine Homosexuellencommunity zu spenden; da hätte aus der Mannschaft niemand was dagegen.

Im Frauenfußball scheint Homosexualität zumindest innerhalb der Vereine kein Thema zu sein. Was müsste sich ändern, damit es im Männerbereich auch eine positive Entwicklung gibt?

Ich habe festgestellt, dass ich Vergleiche zwischen dem Frauen- und dem Männerfußball eigentlich nicht mag. Aber natürlich hat der Frauenbereich im Umgang mit Homophobie etwas voraus. Und wenn man sich dann überlegt, warum das im Männerbereich nicht so leicht zu adaptieren ist, könnte das daran liegen – und das ist jetzt nicht meine Meinung –, dass Schwulsein immer noch einen „weiblichen Touch“ hat und feminin wirkt. Die Beleidigung „Schwuchtel“ fällt im Stadion in der Kurve schnell, wenn ein Spieler bunte Schuhe oder lange Haare trägt. Natürlich sagen wir etwas, wenn wir es mitbekommen, aber ich habe das Wort, zumindest in meinem Umfeld, schon lange nicht mehr gehört.