Ein Filmemacher sucht einen alten Freund im Gazastreifen und findet dabei zerstörte Häuser und lachende Kinder. Der Film dokumentiert Gaza im Jahr 2001 und zeigt die Wurzeln der heutigen Situation.
von Jonas Hey; Bild © Grandfilm
Zwei Männer fahren im Taxi durch eine bunte, aber heruntergekommene Stadt. Sie überholen andere Autos, sehen verschleierte Frauen, Ochsenkarren und geschlossene Geschäfte. Mal hält der Fahrer am Straßenrand, mal treffen die beiden am Strand spielende Kinder oder stehen in einem Trümmerhaufen. Filmemacher Kamal wird von dem Ortskundigen Hasan begleitet, der ihn in Kontakt mit den Menschen bringt und ihm bei der Suche nach einem Freund helfen soll. Doch die Suche wird zu einer Dokumentation einer Gesellschaft im Krieg.
Film als Erinnerung
Die Aufnahmen stammen vom palästinensischen Regisseur Kamal Aljafari, der 2001 die Suche nach seinem Freund auf Film festhielt und die Aufnahmen über 20 Jahre später wiederfand. Kamal saß als Jugendlicher zwei Jahre lang in israelischem Jugendarrest. Später studierte er in Jerusalem und wanderte nach Deutschland aus. Sein neuer Film Mit Hasan in Gaza lief 2025 auf dem Locarno-Filmfestival, was die Bedeutung zeigt, die dem Film beigemessen wird.
Der entstandene Film ist schrecklich normal, zeigt er doch eine Stadt im Nahen Osten im Kriegszustand, der für die Region leider zum neuen Status Quo geworden ist. Dabei ist dem Zuschauer zu jedem Zeitpunkt bewusst, dass er hier ein Gaza sieht, das nur noch in der Erinnerung besteht. Anfang 2026 liegt der Gazastreifen in Trümmern und die Menschen leben in Zelten statt in festen Häusern. Ebenso wie unsere Erinnerung ist der Film gern mal verwackelt und folgt keiner stringenten Handlung.
Gesellschaft im Krieg
Auf den Trümmern eines Hauses spricht Kamal mit einem palästinensischen Arbeiter. Dann schwenkt die Kamera in die Ferne auf einen israelischen Merkava-Panzer, der hinter einem Stacheldrahtzaun steht. Darauf begeben sich die beiden in eine nahegelegene Siedlung, wo Frauen und Männer über nächtliche Granateinschläge klagen. Die Fenster des Hauses sind geborsten und Geschosssplitter über den Boden verteilt.
Der Film spielt sich immerhin zur Zeit der Zweiten Intifada ab, als palästinensische Terroristen Anschläge in israelischen Städten begingen. So filmt Kamal nachts minutenlang aus dem ersten Stock einen Straßenzug, während Hasan erklärt, welche Geräusche zu palästinensischen Mörsern und welche zu israelischer Artillerie gehören. Es scheint, die Menschen waren schon damals an den Dauerzustand Krieg gewöhnt.
Besonders sind immer wieder die lachenden Kinder, die von Kamal fotografiert oder gefilmt werden wollen. Sie spielen mit einem toten Fisch am Strand oder laufen jauchzend durch die Straßen. Trotz aller Gefahr spiegelt sich in den Kinderaugen unsere Menschlichkeit. Sie haben sich Gaza nicht als Wohnort ausgesucht und tragen nun die Konsequenzen mörderischer Entscheidungen. An sie sollten wir denken, wenn wir über den Nahostkonflikt reden.
Der Film feierte am 7. August 2025 Premiere auf dem Locarno Filmfestival und soll im März in die deutschen Kinos kommen.

