Unileben

Etwas einsam, etwas unstrukturiert – online zum Bachelor

Abschlussarbeiten stellen viele von uns vor große Herausforderungen. Neben all den anderen Pflichten und Alltagssorgen noch einen langen, wissenschaftlichen Text verfassen, ist eben nicht ohne. Für ein Online-Studium gilt das mindestens genauso, wenn nicht sogar stärker, wie dieser persönliche Bericht zeigt.

Von Leonie Stoll

Ich habe es geliebt, online zu studieren – ehrlich! Ich konnte Berufserfahrung sammeln, andere Kulturen kennenlernen und eigenständig leben – ohne dabei aufzuhören, meine akademische Karriere voranzutreiben. Ein Meilenstein auf dem Weg zu meinem Bachelor of Arts war für mich jedoch sehr schwer zu erreichen: Ich hatte einige Probleme beim Verfassen und Abgeben meiner Bachelorarbeit und zwar genau aus dem Grund, dass ich online studierte. Jetzt möchte ich auf die Gründe für mein Stolpern genauer eingehen und von den Gesprächen mit meinen Mitstudent*innen erzählen, in welchen mir klar wurde, woran mein Straucheln lag. 

Mangelnde Motivation  

Moritz macht gerade seinen Master in BWL. Seine Bachelorarbeit hat er drei Monate zu spät abgegeben. Es habe vor allem an fehlender Motivation gelegen, erklärt er: „Wie sollte ich Lust aufs Recherchieren und Schreiben bekommen, wenn ich nur alleine vor meinem Laptop sitze, ohne aufmunternde Blicke und Mit-Leidende?“ 

Über 60% von Student*Innen geben laut einer Statistik des Bildungsministeriums ihre Abschlussarbeit später ab als ursprünglich geplant. „Ich wollte ja sogar mehr als pünktlich abgeben, aber nach einem Monat merkte ich – das war eine Utopie”, bestätigt ein Bekannter aus dem Studiengang Jura dieses Bild.

Zahlreiche Stolperfallen

Klar ist mein innerer Schweinehund mein größter Feind, vor so einem großen Berg von Arbeit, ganz auf sich gestellt. An dieser Stelle helfen Gesprächspartner*innen, die im selben Boot sitzen. Eine Kommilitonin berichtet von Online-Chatforen gegen Frust und Einsamkeit: „Ich habe gelernt, auch online meine Sorgen loszuwerden.” Ob jene Interaktionen den persönlichen Kontakt ersetzen können, ist jedoch zu bezweifeln. „Vor Falschinformationen warnte uns natürlich niemand. Dabei waren einige Quellen nicht so wasserfest wie ich zunächst dachte“,  berichtet Lena, eine Germanistik-Studentin.

„Wenn ich tagelang keine Rückmeldung bekomme, wie soll ich dann in meiner Arbeit weiterkommen?“ Eine Mitstudentin aus dem Studiengang Marketing hatte zusätzlich Pech bei der Auswahl ihres Tutors. Laut ihr hat sich der ihr zugewiesene Betreuer auch bei dringenden Fragen über Struktur, Recherche und Formalia tagelang nicht gemeldet. 

Die Lösung: das alte Netzwerk „dahoam“? 

Wie lässt sich die Bachelor-Arbeit im Online-Studium nun doch gut überstehen? Ohne Leistungstief, Fake-News und Abhängigkeit von unzuverlässigen  Ratgeber*innen? Recherche, Netzwerken, Austausch mit dem sozialen Umfeld. Und an dieser Stelle kann ich nun doch wieder die Digitalisierung, inklusive WhatsApp und Co. nicht ganz verteufeln.

 

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