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„Es lebe die Freiheit“ – die diesjährige Weiße Rose Gedächtnisvorlesung

Auch dieses Jahr veranstaltete die LMU eine Gedächtnisvorlesung, um die Opfer der Weißen Rose zu ehren und an das Vermächtnis aller Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Terrorregime zu erinnern. 

Ein Bericht von Sophie Lendrich; Bild © LMU

Ich betrete das Audimax der LMU, den größten Vorlesungssaal der Universität mit über 800 Plätzen. In diesem imposanten Saal mit seinen zwei Stockwerken dürfen wissbegierige Erstsemester oft das erste Mal Uniluft schnuppern. Heute dient der Saal allerdings einem anderen Zweck. Hier wird wie jedes Jahr eine Gedenkstunde veranstaltet, in der an die Opfer der Widerstandsgruppe “Weiße Rose” erinnert wird. 

Um den Universitätscharakter dieser Lesung beizubehalten, gilt das Prinzip „first come, first serve. Als ich den Raum vor Beginn der Veranstaltung betrete, sehe ich nur noch vereinzelt freie Plätze. Auch die Reihen im ersten Stock füllen sich stetig. Ich setze mich hin, bevor LMU-Präsident Prof. Matthias Tschöp das Wort ergreift und uns Zuhörende willkommen heißt. 

Der 22. Februar 1943

Vor 83 Jahren wurden die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Mitglieder der Weißen Rose und Studierende an der LMU, zusammen mit ihrem Freund Christoph Probst in Stadelheim hingerichtet. Einen Monat davor verteilten die Geschwister Scholl Flugblätter vor den Hörsälen des Hauptgebäudes und ließen die Blätter in den Lichthof fallen. Als der Hausmeister sie entdeckte, flohen sie jedoch nicht. Sie zeigten Entschlossenheit, Zivilcourage und Verantwortung und gaben damit ein Zeichen, das die Geschichte bis heute prägt.

„Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den ihr um euer Herz gelegt!“

Die diesjährige Gastsprecherin ist Natalie Amiri, langjährige Journalistin und Auslandskorrespondentin der ARD, Moderatorin und Buchautorin. In ihrer Rede „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt!“ spricht Amiri von der Bedeutung unserer Freiheit. Mit Blick auf die islamistische Diktatur im Iran appelliert sie, die Demokratie, die wir momentan in Deutschland genießen, zu schützen. Demokratie ermöglicht es uns, unser Meinungs- und Demonstrationsrecht zu nutzen und die Mächtigen dieses Landes zu hinterfragen. Aber die Gleichgültigen, die Zuschauenden und Untätigen gefährden dieses Recht. Iranerinnen und Iraner, die für ihre Freiheit kämpfen, zahlen mit ihrem Leben, wie die Widerstandskämpfenden es vor über 80 Jahren auch taten. Die Erinnerung an die Weiße Rose zeigt jetzt mehr denn je, wie wichtig es ist, zu handeln. Durch ihre Taten, sich mit allen Mitteln gegen das NS-Regime zu wehren, bewiesen sie nämlich nicht nur Mut, sondern zeigten vielmehr Haltung. 

Mahnmal für die Zukunft

Der Blick in die Welt zeigt, dass sich politische Lager polarisieren und Nationalismus wieder ansteigt. Auch die Demokratie befindet sich weltweit auf dem Rückzug. 74 Autokratien stehen nur noch 63 Demokratien gegenüber und gerade einmal 7,8% dieser gelten als vollständige Demokratien. Die Geschichte von Unterdrückung, die die Menschen früher erlebten, droht sich zu wiederholen. 

„Ich kann nicht begreifen, wie man die Augen schließen kann vor allem, was geschieht.“ 

– Tagebucheintrag von Sophie Scholl, 1942

Aber Amiri zeigt einen besonderen Unterschied auf: Wir kennen die Vergangenheit. Wir können gemeinsam handeln und Verantwortung übernehmen. Gerade jetzt, wo es notwendig ist, unsere Demokratie zu schützen, sie zu leben. 

Als Natalie Amiri ihre Rede beendet, steht der Saal kurz still und alle halten inne. Das Gewicht dieser Geschichte erdrückt einen fast. Aber die Worte Tschöps und Amiris schaffen es: Hoffnung und Zuversicht. Wir Zuhörenden stehen auf und klatschen minutenlang Beifall. 

Die Weiße Rose Gedächtnisvorlesung fand am 04. Januar 2026 statt. Das gesamte Transkript Natalie Amiris Rede könnt ihr auf der LMU-Seite „Weiße Rose Gedächtnisvorlesung” nachlesen und anhören. 

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