Philteratur

Eine rechte Gesellschaftsgeschichte der Bonner Republik

Der Göttinger Historiker Maik Tändler schließt mit seiner im letzten Jahr erschienenen Monografie Armin Mohler und die intellektuelle Rechte in der Bonner Republik eine lang bestehende Forschungslücke. Das Buch ist weniger eine Biografie des titelgebenden Publizisten Armin Mohler als ein Mikrokosmos der rechten Intelligenz und Publizistik in der alten Bundesrepublik – und eine Gesellschaftsgeschichte des langsamen Verlustes ihrer tonangebenden Bedeutung.

Eine Rezension von Husham Fellaih; Bild von Husham Fellaih

Armin Mohler gilt als „Vordenker“ der Neuen Rechten in der Bundesrepublik und dessen Name hat in den letzten Jahren über den Tod hinaus entscheidend an Bedeutung gewonnen. Bisher liegen nur zwei Bücher zu Mohlers Wirken vor, welche unterschiedlicher nicht sein könnten: Thomas Willms schon lange vergriffene politologische Studie aus dem Jahre 2004, die einen begrenzten, vor allem auf rechtskonservative Ideologie fokussierten Zugang sucht, allerdings mit der zum Entstehungszeitpunkt eher dürren Quellenlage kämpft. Die 2014 erschienene Biografie Mohlers aus der Feder seines politischen Schülers Karlheinz Weißmann kann getrost als Apologie eines Lehrlings an seinen verehrten Meister gelten. Auch diese ist nun schon lange vergriffen. 

Tändler fertigte indes im Laufe einer 10 Jahre währenden intensiven Forschung ein Werk an, welches sich auf akribisches Quellenstudium (vorrangig Briefe aus dem Nachlass) stützt, und minutiös Diskurse, Netzwerke und Beziehungen innerhalb der intellektuellen Rechten der alten Bonner Republik skizziert. Armin Mohler dient dabei als Tändlers Zugang, als der große Rahmen, in dessen Breite er persönliche Verbindungen, ideologische Kontinuitäten und das dynamische intellektuelle Klima der Bonner Republik untersucht. 

Die Dynamik dieses intellektuellen Klimas wird einem während der Lektüre deutlich bewusst, denn obgleich Mohler sich ab den 50er Jahren in bester Gesellschaft bewegt, in persönlichem Kontakt mit führenden Persönlichkeiten der Bundesrepublik steht, ja sogar in die Nähe von Schalthebeln politischer Macht gelangt (bekannterweise als Redenschreiber für den bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß), so wird schnell klar: Die Bonner Republik stand anfangs politisch rechts, und Mohler dadurch vergleichsweise in ihrer bürgerlichen Mitte situiert, aber sie war auch tolerant genug, gesellschaftliche Modernisierung und politische Veränderung geschehen zu lassen. 

So ist Maik Tändlers Buch auch als Gesellschaftsgeschichte zu lesen: Die Geschichte einer großen Verschiebung. Und Mohler ist der Protagonist für diese Geschichte. Denn: Mohler bewegt sich ab Mitte der 60er Jahre hinweg von jemandem, welcher bestens vernetzt Teil einer konservativen Elite der Bonner Republik ist, nur um am Ende seines Lebens in der Berliner Republik an den Rand gedrängt ein Nischendasein zu führen. Dass der Zeitgeist sich veränderte und politische Positionen wie auch Personen dadurch immer weniger haltbar wurden, zeigt sich über das ganze Werk hindurch. Einerseits lässt sich in dieser Dynamik auf minutiös recherchierte Art veranschaulichen, wie konservative Eliten nach 1968 gegen gesellschaftliche Modernisierung und Liberalisierung kämpften, andererseits vor allem aber gegen den Verlust  der eigenen gesellschaftlichen Stellung, persönlichen Ansehens und politisch-publizistischen Einflusses. Viele Seiten dieser Monografie sind akribischen Beschreibungen von letztlich gescheiterten Etablierungsversuchen konservativer und rechter Zeitschriften gewidmet. 

Dass es in dieser Monografie längst nicht nur um Mohler geht, macht sich deutlich in der zweiten Hälfte des Buches bemerkbar. Den intellektuellen Netzwerker Mohler bekommen wir in dieser Monografie gut zu Gesicht. Nichts sehen wir allerdings von dem politischen Theoretiker Mohler, der mit Überlegungen zum „faschistischen Stil“ oder dem „Nominalismus“ bis heute relevante Theoriefundamente für die Neue Rechte stiftete. Es wäre interessant, auch den Kunsthistoriker, der Mohler von seiner Ausbildung her war, erwähnt gehabt zu haben. Nennenswert ist, dass dieser in der aktuellen Forschung geradezu entdeckt zu werden scheint, wie Jonas Meurer in seiner aktuellen Essay-Reihe über Armin Mohler und die bildende Kunst glänzend beweist. Die Texte Meurers seien herzlich empfohlen, aber Tändler dafür ebenso herzlich verziehen, solcherlei Dinge in seiner eigenen Studie nicht untergebracht zu haben. 

Tändlers Monografie sollte als Studie über die rechte Publizistik und vor allem den stetigen, langsamen Verlust von Diskurshoheit rechter Intelligenz in der Bonner Republik verstanden werden. Mohler ist eine prägende Persönlichkeit, an welcher sich dies exemplarisch nachzeichnen lässt, und Tändlers Arbeit über ihn wird damit auf lange Zeit eine prägende Quelle bilden. 

Dem Wallstein Verlag sei herzlich für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares gedankt.

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1 Kommentar

  1. Max Josef Strauß sagt:

    Tandlers Buch bläst Mohler in eine Größenordnung auf, die er nicht einmal andeutungsweise hatte. Es enthält jede Menge abwegiges Geschwurbel.

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